Griechenland und die (deutschen) Kleinanleger: Eine Tragödie!?

Toni Engel aus Wustweiler im Saarland hat der Politik vertraut und vor zwei Jahren griechische Staatsanleihen gekauft. Die galten damals noch als sicher, auch in der seriösen Fachpresse. Jetzt fühlt sich der Kleinanleger von den Politikern betrogen. Der griechische Schuldenschnitt kostet ihn 11.000 Euro. Den Griechen macht er dabei keine Vorwürfe.

Interview Frank M. Wagner, Berlin

Wie sind Sie darauf gekommen, Ihr Geld ausgerechnet in griechischen Staatsanleihen anzulegen?
Als diese Anleihe vor etwa zwei Jahren herauskam, sah es so aus, als bräuchte

Kleinanleger Toni Engel ist sauer auf die Bundeskanzlerin

Kleinanleger Toni Engel ist sauer auf die Bundeskanzlerin

Griechenland eine Art „Überbrückungskredit“ zur Sanierung des Staatshaushaltes. So ist die Situation seinerzeit in etwa auch dargestellt worden. Zudem hatte die Anleihe eine mittlere Laufzeit, war daher auch attraktiv. Ich hab‘ mich dabei auf die Aussagen der Politik verlassen. Denn die haben sehr deutlich gesagt, dass die Anleihen sicher sind, weil sie eben Staatsgarantien unterliegen. Der Zinssatz lag bei 4,1 Prozent, das ist für eine mittlere Laufzeit ein guter Wert. Nach dem Kauf sind die Anleihen sogar noch etwas gestiegen. Wenig später gerieten sie dann allerdings in den freien Fall.

Haben Sie ausschließlich den Aussagen der Politik vertraut?
Nein, ganz und gar nicht. Auch seriöse Finanzfachblätter haben noch im November 2010 sehr zum Kauf der Anleihen geraten. Ich hatte mich wirklich gut informiert. In meinem Alter geht man nicht mehr ins Finanzkasino.

Wie hoch ist denn der Verlust?
Im Moment ist es ja noch so, dass noch nicht abschließend klar ist, wie sich die Lage für den Kleinanleger darstellt. Aber so wie es aussieht, werde ich in etwa über die Hälfte des Geldes, das ich investiert habe, verlieren.

Das bedeutet ungefähr in Euro?
Das entspricht etwa 11.000 Euro.

Das ist viel. Was wollen Sie denn jetzt machen?

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im Kanzleramt

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im Kanzleramt

Naja, ich habe ja nichts unterschrieben und ich werde den drohenden Verlust natürlich nicht hinnehmen. Meiner Ansicht nach sollten alle Kleinanleger – das sind ja Tausende – vor Gericht ziehen. Denn hier handelt es sich ja um eine Zwangsmaßnahme, die auf dem Kapitalmarkt einfach unvorstellbar ist. Hier werden die festen Emissionsbedingungen, die jeder Anlage zugrundeliegen, ausgehöhlt und eliminiert. Das kann einfach nicht sein. Ich habe selbst ein Haus gebaut, ich habe dazu Darlehen gebraucht und dementsprechend Verträge vereinbart, die eine gewisse Laufzeit hatten, eine festgelegte Rückzahlungsrate und einen Zinssatz enthielten.
Da ist es doch auch ganz selbstverständlich und natürlich, dass man diese Verträge so einhält, wie sie einmal vereinbart wurden. Das hat ja auch etwas mit Finanzkultur zu tun.
Aber in Bezug auf Griechenland ist überhaupt keine Finanzkultur mehr da.

Sie sind ganz offensichtlich sehr sauer.
Ich bin stinksauer. Die Bundeskanzlerin und der Finanzminister wissen beispielsweise sehr genau, dass zahlreiche Kleinanleger von der Situation betroffen sind. Da vermisse ich, dass wenigstens einer von beiden einmal sagt: „So ist das von uns nicht gewollt.“ Aber das passiert nicht. Hier wird einfach alles unter den Teppich gekehrt, nach dem Motto: „Was interessiert uns das Geschwätz von gestern?“ Was hier passiert, ist eine Enteignung des Sparkapitals der Kleinanleger. Und unsere Regierung lässt eben diesen Kleinsparer meiner Meinung nach völlig im Regen stehen.

Was denken Sie über die Griechen, haben Sie inzwischen eine Abneigung gegen das Land entwickelt?
Nein, nein, ich bin ein Freund der Griechen. Alle Griechen, die ich kenne, sind in Ordnung. Diese Situation ist allein durch die Schuld der Politiker entstanden. Ich werde daher auch weiterhin meinen Urlaub in Griechenland verbringen.

Haben Sie noch in weitere Staatsanleihen anderer Länder investiert?
Nein. Und ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass ich eine EU-Anleihe gekauft habe, die über Staatsgarantien verfügte. Griechische Wertpapiere sind keine Exoten-Anleihe. Griechenland ist und bleibt ein seriöses, liebenswertes Land. Die können nichts dafür.

Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.